Dieses Forum nutzt Cookies
Dieses Forum verwendet Cookies, um deine Login-Informationen zu speichern, wenn du registriert bist, und deinen letzten Besuch, wenn du es nicht bist. Cookies sind kleine Textdokumente, die auf deinem Computer gespeichert sind; Die von diesem Forum gesetzten Cookies düfen nur auf dieser Website verwendet werden und stellen kein Sicherheitsrisiko dar. Cookies auf diesem Forum speichern auch die spezifischen Themen, die du gelesen hast und wann du zum letzten Mal gelesen hast. Bitte bestätige, ob du diese Cookies akzeptierst oder ablehnst.

Ein Cookie wird in deinem Browser unabhängig von der Wahl gespeichert, um zu verhindern, dass dir diese Frage erneut gestellt wird. Du kannst deine Cookie-Einstellungen jederzeit über den Link in der Fußzeile ändern.
Vaelion Diallo
Alter
Jahre
Wesensart
Sternzeichen
Element
Schicht
Status

gespielt von
#1
A Conversation in Half-Truths
@"Vaelion Diallo" & @"Cassiane Diallo"
Anwesen der Familie Diallo | 10.01.1580 | 20:00 Uhr

Vaelion hätte später vermutlich behauptet, er sei nur zufällig im westlichen Flügel gelandet. Ein wenig frische Luft nach dem Abendessen. Vielleicht der Versuch, einem weiteren Gespräch mit seinem Vater zu entkommen. Vielleicht tatsächlich der Gedanke an die obere Bibliothek und irgendein verstaubtes Manuskript über die Zerfallsmuster alter Sternenreiche. Alles klang glaubwürdig genug, solange niemand zu genau hinsah. Das Problem war nur, dass seine Mutter immer zu genau hinsah. Die Korridore des Hauses Diallo lagen still unter dem blassen Licht der Abendsterne. Silber schimmerte über dunklem Marmor, zog sich über Säulen und hohe Fensterrahmen wie flüssiges Mondlicht. Selbst die Dienerschaft bewegte sich hier leiser, als würde das Anwesen jede Form von Unruhe instinktiv verschlucken. Vaelion mochte diese Ruhe normalerweise. Heute fühlte sie sich an wie das tiefe Einatmen vor etwas Unangenehmem. Als er das Arbeitszimmer seiner Mutter erreichte, fiel warmes Licht unter der schweren Tür hindurch und durchschnitt den dunklen Flur in einem goldenen Streifen. Dahinter war lediglich das leise Kratzen einer Feder zu hören.

Er trat ein, ohne anzuklopfen.

Der Raum empfing ihn mit dem Duft von geschmolzenem Wachs, altem Papier und den schweren Kräutern, die seine Mutter verbrannte, wenn sie spät arbeitete. Über den massiven Ebenholzschreibtisch verteilt lagen geöffnete Sternenkarten, ihre silbernen Linien bewegten sich langsam über das Pergament wie lebendige Konstellationen. Daneben stapelten sich Briefe mit tiefroten und goldenen Wachssiegeln. Vaelions Blick glitt nur flüchtig darüber hinweg. Ein leichtes Lächeln erschien auf seinem Gesicht, während er langsam weiter in den Raum trat.

„Ich hoffe, ich unterbreche dich nicht“

Der Tonfall war leicht. Elegant beiläufig. Genau die Art von Charme, die man ihm seit seiner Kindheit beigebracht hatte. Er bewegte sich durch den Raum, als gehöre er selbstverständlich dorthin, was vermutlich auch stimmte, und griff nach einer Feige aus der silbernen Schale nahe des Kamins. Vaelion ließ sich auf das dunkle Sofa sinken und lehnte den Kopf gegen die Polster, als wäre er vollkommen entspannt. Doch seine Aufmerksamkeit blieb an den Briefen hängen wie Stoff an einer Klinge. Irgendetwas lief hier bereits, und niemand hatte ihn eingeweiht. Der Gedanke gefiel ihm überhaupt nicht.

„Vater war heute erstaunlich freundlich zu mir—
Ehrlich gesagt fand ich das ein wenig beunruhigend.“

Ein trockenes Schnauben verließ ihn. Vaelion sprach selten direkt über Dinge, die ihm tatsächlich nahegingen. Stattdessen umkreiste er sie vorsichtig, versteckte Wahrheiten zwischen Ironie und beiläufigen Bemerkungen, bis niemand mehr genau sagen konnte, wie viel davon ernst gemeint war. Nur seine Mutter vermutlich. Sie kannte ihn zu gut. Er ließ den Blick langsam durch den Raum wandern, scheinbar ohne Ziel. Über die Sternenkarten. Die halb geöffneten Dokumente. Die sorgfältig übereinandergeschobenen Briefe, die vermutlich hastiger verdeckt worden waren, als er eingetreten war. Das allein genügte bereits. Etwas Kaltes zog sich langsam in seiner Brust zusammen.

„Sollte ich mir Sorgen machen?“

Die Frage war ruhig gestellt. Fast amüsiert. Aber sein Spiegelbild im Glas wirkte plötzlich müde. Nicht erschöpft im körperlichen Sinn. Eher wie jemand, der seit Jahren darauf achtete, niemals die falsche Reaktion zu zeigen. In der Akademie verbreiteten sich Gerüchte schneller als Krankheiten. Jeder entwickelte Interesse am Privatleben anderer, sobald man nur einen Moment zu lange mit der falschen Person sprach. Vaelion war intelligent genug um zu verstehen, wie gefährlich das werden konnte.
Alter
50 Jahre
Wesensart
Sternzeichen
Steinbock
Element
Erde
Schicht
Oberschicht
Status
Verheiratet
Cat
gespielt von
#2
Cassia hatte jeden dieser Briefe bereits mehrmals gelesen. Immer wieder hatte sie die Buchstaben überflogen und versucht, das sich ausbreitende Gefühl in ihrem Inneren zu benennen. War es Sorge? War es Angst? Sie konnte es nicht genau sagen und doch hatte es sie dazu getrieben, all diese Unterlagen, jedes der Dokumente, ordentlich zu sortieren und auf ihrem Schreibtisch abzulegen. Wie genau sollte sie das machen? Was sollte sie tun, damit es sich für ihren jüngsten Sohn nicht anfühlen musste, als würde sie ihn einfach ausliefern? Aber die Welt war nicht fair. Egal war dabei, ob sie wusste, dass er damit unfassbar unglücklich sein würde. Es interessierte unterm Strich einfach niemanden, was er dabei fühlte. Sie alle hatten eine Pflicht zu tragen. Sie alle hatten sich in das System zu fügen, egal wie gerne sie doch dagegen rebelliert hätten.
Cassia selbst war Opfer dieses Systems geworden. Sie hatte sich wie es sich gehörte ihrem Schicksal gefügt und den Menschen geheiratet, der ihr im Grunde am meisten zuwider war. Und jetzt, so viele Jahre Ehe später, hatten sie vier ganz wundervolle Kinder. Sie waren, auf eine bestimmte Art und Weise, glücklich miteinander. Sie hatten sich mit der Situation arrangiert.
Ihre Finger lagen noch auf dem letzten Brief, als sie hörte, wie sich Schritte vor der Tür näherten. Sie ließ die Feder innehalten und hob den Blick bereits, bevor ihr jüngster Sohn die Tür aufstieß.
Natürlich. Natürlich war er es. Wer hätte es auch sonst sein sollen?
In diesem Haus erkannte sie jeden auch ohne das sie ihn sehen musste. Jeder von ihnen hatte einen eigenen Gang, die Schrittabfolge war nie, absolut gleich. Selbst dann nicht, wenn sie nebeneinander herliefen. Und ihren Mann erkannte sie schon aufgrund des zusätzlichen Geräusches, dass sein Gehstock erzeugte. Mit ihm hatte sie um diese Zeit allerdings auch nicht gerechnet.
Sie zog etwas über den letzten Brief, den sie gerade beantworten wollte, weil er auf sie am vielversprechendsten wirkte und sah Vaelion entgegen. Sofort zeichnete sich etwas Warmes in ihren sonst so kühlen und unnahbaren Zügen ab, während ihr Blick ihm durch den Raum folgte und schließlich auf ihm ruhte, nachdem er sich hingesetzt hatte. Sie legte die Feder beiseite und verschloss das Tintenfass mit dem Korken, ehe sie sich von ihrem Stuhl erhob und einen Moment mit vor dem Schoß verschränkten Händen stehen blieb, während sie ihn durchdringend musterte.

«Du störst mich nicht, nein», gab sie zurück und neigte leicht den Kopf, als er erwähnte, dass sein Vater ungewöhnlich freundlich zu ihm gewesen war. Von erstaunlich oder ungewöhnlich konnte kaum die Rede sein, fand Cassia. Sowohl sie wie auch Ryfin liebten jedes ihrer Kinder, aber er war der Ungeduldigere. Und dass sein jüngster Sohn es also überraschend empfand, wenn sein Vater plötzlich zu nett war, war vielleicht sogar ein Stück nachvollziehbar. Wenngleich Cassia nicht fand, dass sie an irgendeiner Stelle nicht nett gewesen wären. Oder dass sie gar unfreundlich zu ihren Kindern waren!
«Sorgen, weil dein Vater freundlich zu dir ist?», wiederholte sie und kam um den Schreibtisch herum, um sich Vaelion gegenüber in ihren Lieblingssessel zu setzen. Anders als er lehnte sie sich allerdings nicht entspannt zurück, sondern blieb aufgerichtet sitzen.
Sie kannte ihn. Sie kannte ihn gut genug um zu wissen, dass er längst mitbekommen hatte, dass hier etwas außerhalb seines Wirkungsbereiches passiert war. Sie kannte ihn schon sein ganzes Leben und sie kannte die Anzeichen dafür, wenn er in Sorge geriet. In Panik.
Cassia konnte nicht ausmachen, seit wann sie es schon wusste. Sie hatte nie etwas dazu gesagt. Weder zu Vaelion noch zu ihrem Mann. Für sie war es kein Problem, solange Vaelion sich bewusst war, dass er als Sohn einer einflussreichen Familie eben auch Pflichten hatte. Nicht nur Rechte.
Und jetzt saß er ihr gegenüber, das jüngste von vier Kindern, und Cassia wollte nicht gefallen, was in seinem Gesicht passierte. Es gefiel ihr nicht, was für ein Gespräch sie nun führen mussten. Wie sehr sie in seine Privatsphäre eindringen musste.
«Ich bin mir unsicher, ob Sorge das richtige Wort ist, Vaelion», gab sie dann ruhig zurück. «Aber wir müssen uns unterhalten. Über deine Zukunft und das, was nun alles als nächstes passiert.»
Sie deutete mit einer Hand in Richtung des Schreibtisches. Er war alt genug, dass ihm klar war, dass er nicht auf Dauer vor der Realität verschont bleiben würde.
«Dein Vater und ich finden», und dabei fand vor allem Ryfin, dass es an der Zeit war, «dass wir für dich nach einer Frau Ausschau halten sollten. Bis jetzt bist du noch nicht von selbst auf uns zugekommen», fügte sie mit ein um ihm klar zu machen, dass auch er eine Entscheidung treffen konnte, «um uns eine passende Frau vorzustellen.»
Vielleicht eine, die sich nicht daran störte, dass er keinen Sex mit ihr wollte und lieber mit Männern schlief? Eine, die vielleicht ähnliche Gründe hatte, einen passenden Mann zu heiraten, wie er? Das war eine Möglichkeit. Sie hoffte nur, dass er verstand, wovon sie sprach.
«Entsprechend stehen wir mit anderen Familien im Austausch.»