Conversation between Husband and Wife
@"Cassiane Diallo" & @"Ryfin Diallo"
Ryfin Diallos Büro, Astral-Akademie, Luminar| 06.01.1580 | 13:00 Uhr
Das Büro war still bis auf das gelegentliche Kratzen einer Feder über Papier und das dumpfe Ticken der schweren Standuhr in der Ecke des Raumes. Hohe Regale voller Aktenordner und Bücher zogen sich an den dunklen Wänden entlang, während das Licht der Lampen auf den Holzboden warf. Der Geruch von Tinte, Papier und kaltem Rauch hing in der Luft.
Ryfin saß hinter seinem massiven Schreibtisch und blätterte mit sichtbarer Gereiztheit durch einen Stapel Dokumente. Sein Gehstock lehnte zunächst neben dem Tisch, doch allein seine Präsenz wirkte einschüchternd genug, dass sich niemand im Raum traute, ein Wort zu sagen. Zwei Mitglieder der Asmoday standen einige Meter entfernt und warteten angespannt darauf, dass er endlich etwas sagte. Beide hielten den Blick gesenkt.
Der Ältere unterschrieb die letzte Seite mit einem schnellen, beinahe aggressiven Zug und ließ die Feder auf den Tisch fallen. „Nutzlos“, murmelte er kalt. Der Mann links von ihm zuckte zusammen. Der andere presste die Lippen aufeinander und versuchte, ruhig zu wirken. Ryfin nahm die Dokumente, richtete sie ordentlich aus und hielt sie einem der Männer hin.
„Bring das ins Archiv. Sofort.“
Zögerlich griff der Mitarbeiter danach und nickte mit seinem Kopf.
„J-ja, Sir.“, stotterte er, als hätte er Angst, dass Ryfin ihm vielleicht eine reinhauen oder den Stapel ins Gesicht werden würde. Doch Ryfin sagte nichts weiter. Er saß nur da und starrte die beiden an. Seine Augen ruhten einen Moment zu lange auf ihnen, sodass die Stille im Raum langsam unerträglich wurde. Dann lehnte er sich langsam zurück.
„Erklärt mir noch einmal, warum ich Berichte über ein zerstörtes Labor erhalten habe.“
Keiner antwortete sofort. Ryfins Finger tippten langsam gegen die Tischplatte.
„Ich warte.“
„Das Experiment verlief… nicht wie erwartet“, sagte schließlich einer der Männer mit trockener Kehle.
„Nicht wie erwartet“, wiederholte Ryfin leise.
Er stand langsam auf. Dabei griff er nach seinem Gehstock. Schon diese kleine Geste ließ die beiden Männer instinktiv einen Schritt zurückweichen. Wenn Ryfin Diallo leise war, wusste jeder, dass er gefährlich werden konnte.
„Ein ganzer Flügel des Labors wurde beschädigt“, sagte er und ging langsam um den Schreibtisch herum.
„Drei wertvolle Proben vernichtet. Zwei Forscher tot.“ Seine Stimme blieb ruhig.
„Und ihr sagt nur dazu, dass es… nicht wie erwartet sei?“ Die Männer wechselten nervöse Blicke.
„Wir dachten, wir hätten die Situation unter Kontrolle.“ Ryfin blieb direkt vor ihm stehen.
„Ihr dachtet.“ Genau diese zwei Worte reichten aus, damit dem Mann sichtbar der Schweiß über die Stirn lief.
Der Gehstock ruhte locker in seiner Hand, doch keiner der beiden bezweifelte, dass er ihn ohne Zögern einsetzen würde.
„Wisst ihr, was ich an Fehlern am meisten verabscheue?“ Keiner antwortete.
„Dass sie meistens von Menschen begangen werden, die überzeugt sind, klug zu sein.“ Der andere Mitarbeiter senkte sofort den Blick tiefer.
„Es wird nicht wieder vorkommen, Sir.“
Ryfin lachte leise.
„Natürlich wird es das. Menschen wiederholen Fehler ständig.“ Er machte einen weiteren Schritt auf sie zu. Beide Männer wichen zurück.
„Das Problem ist… dass eure Fehler meine Zeit verschwenden.“ Er hob langsam den Gehstock an und ließ das Ende einmal gegen den Boden schlagen. Das Geräusch schnitt durch die Stille wie ein Messer. Einer von ihnen öffnete den Mund, vermutlich um sich zu entschuldigen, doch in genau diesem Moment erklang ein Klopfen an der Tür. Alle drei blickten gleichzeitig dorthin.
„Herein“, sagte Ryfin ohne den Blick von seinen Mitarbeitern zu nehmen. Die Tür öffnete sich langsam und ein junger Assistent trat ein. Er hielt einige weitere Dokumente unter dem Arm und wirkte sofort angespannt, als er die Atmosphäre im Raum bemerkte.
„Verzeiht die Störung, Sir, aber Eure Frau ist angekommen.“ Ryfins Blick wurde weniger hart und seine Haltung entspannte sich minimal.
„Ist sie das? Gut. Ich wollte noch mit meiner Liebsten sprechen.“ Sein Assistent nickte.
Für einen kurzen Moment dachte einer der Mitarbeiter tatsächlich, er hätte Glück gehabt. Ryfin drehte sich langsam zu ihnen um. Seine Miene war wieder vollkommen beherrscht.
„Wir setzen dieses Gespräch später fort.“ Die beiden Männer nickten sofort.
„Und verschwindet aus meinem Büro.“ Sie beeilten sich beinahe panisch zur Tür und verschwanden innerhalb weniger Sekunden aus dem Raum. Der Assistent blieb zurück und schloss die Tür hinter ihnen.
Ryfin atmete langsam aus und strich mit der Hand über die Ärmel seines dunklen Mantels.
„Richtet den Tisch“, sagte er ohne auf seinen Assistenten zu schauen.
„Natürlich, Sir.“ Der junge Mann bewegte sich sofort zum Schreibtisch und begann einige verstreute Papiere ordentlich zu stapeln. Er nahm mehrere Akten auf und sortierte sie nach Priorität. Ryfin beobachtete ihn kurz, bevor er zur Tür ging. Dort blieb er stehen.
Eine Hand ruhte auf dem silbernen Griff seines Gehstocks, während er schweigend auf den Flur hinausblickte. Niemand, der ihn jetzt sah, würde glauben, dass dieselbe Person wenige Minuten zuvor zwei ausgewachsene Männer beinahe zu Tode eingeschüchtert hatte. Doch das war Absicht. Schließlich legte er großen Wert darauf, vor anderen wie der ideale Ehemann zu erscheinen. Ein Ehemann der seine Frau abgöttisch liebte.